SPD Kisslegg - Bad Wurzach

Gabriel verzichtet auf Getöse

Veröffentlicht am 19.02.2011 in Presseecho

SPD-Chef spricht vor rund 300 Zuhörern in Ravensburg

RAVENSBURG-Originär landespolitische Fragen spielten kaum eine Rolle bei der Stippvisite des SPD-Chefs in Ravensburg. Und zum Fauxpas von zu Guttenberg fiel Sigmar Gabriel gestern Mittag auch deutlich mehr ein als zu dem von Rudi Köberle. Mit den Themen „Bildung“ und „soziale Gerechtigkeit“ stieß der sehr sachlich argumentierende ehemalige Umweltminister und frühere Ministerpräsident Niedersachsens aber im vom Wahlkampf dominierten Oberschwaben auf großes Interesse.

Die Sitzplätze im Schwörsaal reichten am Freitag nicht aus, als Gabriel den SPD-Landtagskandidaten Christel Ulmer (Wahlkreis Ravensburg) und Peter Clément (Wahlkreis Wangen) Rückenwind geben wollte. „Überrascht und überwältigt“ waren die Genossen vom regen Zuspruch der Ravensburger, darunter viele junge Leute, die mit roten Äpfeln und Musik vom Duo „Der dritte Mann“ empfangen wurden.

Während Sigmar Gabriel noch im Verkehr zwischen See und Ravensburg steckte, liefen sich Ulmer und Clément schon einmal warm, beschworen den „Virus der Wechselstimmung“. Für eine andere Bildungspolitik warb Christel Ulmer, sprach in Zusammenhang mit der Neuen Werkrealschule von „totaler Verunsicherung“, während Peter Clément in dieser eine „Fälschung sondersgleichen“ erkannte. Ulmer will die Menschen bei Entscheidungen besser einbeziehen, Clément schoss in Richtung Stuttgart: „Wenn man die Wahl hat zwischen Mappus und Schmid, wird jeder aufrechte Bürger wissen, wo sein Herz schlägt.“ Und auch CDU-Kontrahent und Minister Rudolf Köberle kam nach der Brief-Affäre nicht ungeschoren davon: „Das ist absolut ungesetzlich und wird der Wähler nicht vergessen.“


Der Bundesvorsitzende der Sozialdemokraten traf kurz nach 15 Uhr ein und stieg mit der sattsam bekannten oberschwäbischen Verkehrsproblematik ein: „Ich weiß um Ihren Ärger mit der B 30, ich denke mal, einige werden enttäuscht gewesen sein, dass die Kanzlerin am Montag in Ravensburg nicht den Spatenstich verkündet hat.“ Und weil Sigmar Gabriel gerade bei „Ravensburger“ vorbeigefahren war, darf sich nun der Doktor a.D. Karl-Theodor zu Guttenberg über ein neues Spiel freuen.

Gabriel: „Ich habe gerade die Werbung für das Spiel ,Adel verpflichtet‘ gesehen, mit dem schönen Untertitel ‚Diebe, Lords und Pfeifenköpfe‘. Das bringe ich ihm nach Berlin mit.“
Sehr sachlich beschäftigte sich Gabriel in seiner rund 30-minütigen Rede dann vor allem mit dem Thema soziale Gerechtigkeit in Deutschland, spannte den Bogen vom Mindestlohn und Hartz IV über die Verteilung der Steuerlast bis zur Chancengleichheit im Bildungssystem. Fragen, die auch die Ravensburger bewegen, wie eine rege Diskussionsrunde, die Michael Hermann anschließend moderierte, zeigte.
Beim Thema Atommüll-Endlager kam sie dann doch noch kurz, die Abteilung Attacke gegen Stefan Mappus: „Ein Land, dass derartig laut nach Verlängerung der Laufzeiten für Atomkraftwerke ruft, dann aber nicht bereit ist, nach einem Endlager zu suchen, macht uns im Norden ganz schön nervös“, bekannte Sigmar Gabriel.

SZ: vom 19.02.2011

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